Jan
06

Caps auf den zweiten Blick

Als damals in den 90ern diese Baseball-Caps in Mode waren, habe ich mich für diesen Trend nicht sonderlich begeistern können. Es lag wohl daran, dass die Träger von Caps mit Yankees-Emblem oder ähnlichem ein deutlich jüngeres Alter als ich hatten. Darüber hinaus fand ich diese Caps in Verbindung mit einer von mir unterstellten Geisteshaltung irgendwie unanständig. Vor meiner Pensionierung habe ich als Lehrbeauftragter in der Schule auch immer die betreffenden Bürschen zur Ordnung rufen müssen und veranlasst, dass sie diese Caps während des Unterrichts ausziehen.
Seit eine gewisse Altersmilde bei mir Einzug erhalten hat und mein Enkel in die Pubertät gekommen ist, denke ich über diese Geschichte mit den Caps ganz anders. Während eines öffentlichen Ragga-Konzerts im Sommer setzte mir mein Enkel eine seiner Billabong Caps auf und meinte, ich würde sehr stylisch aussehen. Seit dieser Zeit habe ich irgendwie ein völlig neues Lebensgefühl bekommen und bin zu einem richtigen Liebhaber geworden. Mittlerweile sammle ich diese Caps sogar und bevorzuge besonders die Marke At Hardy. Von diesen Exemplaren besitze ich derzeit fünfzehn Stück und habe die schönsten Caps davon liebevoll auf meinem Fernsehgerät drapiert. Ganz mittig davon befindet sich das Prunkstück mit einem goldgestickten Dollarzeichen. Das Verhältnis zu meinem Enkel hat sich seit meiner Freude an Caps in dieser Beziehung ein wenig verschlechtert, da er der Ansicht ist, ich übertreibe mit meiner Liebe zu diesen Accessoire ein wenig. Beim Spazieren verzichte ich für ihn deshalb gerne auf Caps und greife auf die Baskenmütze zurück. Wenn wir aber Hip Hop Akts besuchen, was wir gelegentlich zusammen machen, darf ich aber auf meine geliebten Caps zurückgreifen.

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